Urlaubsbericht

Machen wir uns nichts vor, für die meisten bedeutet Mallorca Ballermann oder Boris Becker. So ganz falsch ist das nicht, aber dazwischen gibt es auch noch einiges. Unser Hotel zum Beispiel, eine 200 Jahre alte Finca inmitten von Olivenhainen am Fuße des Tramuntana-Gebirges. Von hier aus ist es nur eine Viertelstunde zum nächsten erträglichen Strand und nicht viel mehr als eine Stunde zu jedem anderen Ziel auf der Insel. Der Betontourismus scheint sich an der Küste zu drängen. Im Landesinneren ist es zwar auch nicht gerade unberührt, aber warum sollen die Einheimischen nicht an den Touristen verdienen.

So sehen wir die größten Gegensätze. Da ist zum Beispiel Port d’Alcúdia, ein übel zugebauter Badeort für dicke tätowierte Engländer. Oder die Cala Torta, eine zauberhafte kleine Strandbucht, die man über einen achsenschindenden Weg erreicht und in die sich dementsprechend weniger Touristen verirren. Dann sind da diese typischen kleinen Bergdörfer wie Fornalutx mit ihrem Labyrinth aus Gassen und Treppen. Oder Cap Formentor mit seinem Leuchtturm und einer leider viel zu gut ausgebauten Straße, die zuviele Menschen hinfahren lässt, so dass wir bald wieder verschwinden und lieber zu einem unbeschilderten Mirador fahren, von dem man sowieso einen viel besseren Ausblick hat.

Und das Essen? Da trifft leider allzu oft Bequemlichkeit auf Gier. Die Gäste essen entweder eh nur Schnitzel oder es reicht ihnen, wenn sie die Speisekarte verstehen können und etwas halbwegs Exotisches auf den Teller kommt. Das lässt sich leicht ausnutzen, und so sind die Restaurants dort am schlechtesten, wo am meisten Laufkundschaft vorbeikommt.

Aber es gibt natürlich Ausnahmen, am besten daran zu erkennen, dass das Lokal sich erst gegen 22:00 Uhr füllt, wenn die Einheimischen essen gehen. Am besten ist ausgerechnet ein Italiener, das Restaurant Cantonet in Pollença, mit wirklich frischen Meeresfrüchten und verschieden gefüllten Ravioli. Auch lohnt sich der Weg hinauf zum Mirador de la Victoria, auch wenn man sich dort in der Nebensaison ein bisschen auf der Terrasse verliert. Dass ich mir ausgerechnet dort an der Arròs Negre den Magen-Darm verderbe, kann ich mir gar nicht erklären, noch dazu, weil wir beide davon gegessen haben und nur ich die nacht auf dem Klo verbringe. Vielleicht hat schon davor etwas in mir gesteckt, und was immer es ist, es will raus.

Ich will hier nicht über die Details sprechen. Nicht über die Infusion, die meinem völlig ausgetrockneten Körper wieder mit dem Nötigsten versorgen soll, nicht über das vierstündige Fieberdelirium. Dass es in dem Zimmer, in dem ich im Krankenhaus liege, von oben durchtropft und ein extrem unwilliger (und anscheinend hungriger) Hausmeister das Problem löst, indem er die Decke aufreißt, passt dann irgendwie auch dazu.

Die letzten beiden Tage bin ich also geschwächt. Dazu kommt, dass es jetzt mehr und mehr regnet. Am letzten Tag besuchen wir die verwinkelte Altstadt von Palma, aber irgendwann flüchten wir vor der Nässe und fahren durch die Gegend. Warum also sich nicht noch mal kurz ein Vorurteil bestätigen lassen, bevor es zum Flughafen geht?

Wir nehmen Kurs auf S’Arenal. Es ist eine Plattenbausiedlung in kackbeige. Wahrscheinlich muss man sie sich wirklich schönsaufen, aber dazu ist es noch zu früh — und zu nass. Es hat etwas Apokalpytisches, die Schinkenstraße so verregnet und verwaist hinunterzublicken. Wir bleiben schön im Auto.

Zu Hause muss ich mich dann weiter erholen, absurd, wenn aus dem Urlaub kommt. So gerne hätte ich noch einen Ausflug durch die wirklich malerischen Berge gemacht oder noch mal einen Nachmittag einfach nur lesend am ruhigen Pool verbracht. Beim nächsten Mal vielleicht.

30. September 2009

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