Prognosen
Ich hatte mal eine Kollegin, die sagte: “Ihr Männer macht ja immer Prognosen. Warum könnt ihr es nicht einmal auf euch zukommen lassen?” Sie bezog das hauptsächlich auf Fußball und die damals anstehende WM, als es überall nur so von Experten wimmelte, die wahlweise Deutschland als Weltmeister sahen oder als letzter in der Vorrunde.
Vielleicht ist ja wirklich typisch Männer, ich weiß es nicht. Vielleicht ist es eine Art Kontrollwahn, der in die Zukunft reicht. Ich weiß nur, dass ein Drittel aller Nachrichtenmedien einstampfen könnten, wenn sie keine Prognosen mehr machen dürften. Immer wieder beginnen da Sätze mit “Experten warnen…” oder “Das Institut für XYZ schätzt…”
Am schlimmsten sind da natürlich die Witschaftsvorhersagen. Nicht nur, weil für einen normalen Menschen kaum zu durchdringen ist, was sie denn vorhersagen, nicht nur, weil sie ziemlich oft daneben liegen (sollten wir dieses ja nicht noch 1% Wachstum haben?), sondern, weil so dermaßen viel dranhängt, dass manche Prognosen keine Prognosen mehr sind, sondern Beschwörungen.
Dazu stand im Wochenendteil in der SZ:
Der DIW-Chef Zimmermann schlug vor einem halben Jahr vor, eine Zeitlang auf Prognosen zu verzichten: Weil die Finanzmärkte in den gängigen Konjunkturmodellen nicht abgebildet seien und weil immer pessimistischere Prognosen die Krise bloß verschärften.
Und später:
Lux unterstellt den Finanzingenieuren an den Universitäten, dass sie es nicht als ihren Job sehen, die Öffentlichkeit zu warnen – und in der Tat ist ein Kennzeichen jedes Wissenschaftsbetriebs, nicht nur in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre: Was zählt, ist der Ruhm unter Fachkollegen; wie ein Forscher in der Öffentlichkeit verstanden wird, ist weniger wichtig.
Wir fassen zusammen: Die Prognosen stammen von geltungssüchtigen Karrieristen, bilden gar nicht die komplette Wirklichkeit ab, aber können diese beeinflussen. Na herzlichen Glückwunsch.
Nun, wahrscheinlich trifft das nicht auf jede Art von Vorhersage zu. Aber um das festzustellen, müsste man sie überprüfen, eine Art Wiedervorlage einrichten. Aber wer würde sich dafür schon interessieren? Wir wollen ja wissen, was morgen schrecklich wird und nicht, was gestern schrecklich war.
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