Die letzten Einträge handelten von früher, aber ich werde das nicht interpretieren.

10. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Mein Karstadt

Karstadt bedeutete mir etwas. Kein Großstadtkind kann mich verstehen. Doch bei uns in Husum hatte man als Musiksüchtiger Beschaffungsprobleme. Amazon gab es noch nicht, dafür führte Karstadts Plattenabteilung ein ganzes Regal mit Independent/Wave, betreut von zwei Verkäufern, einem Mann und einer Frau, beide gleichermaßen inkompetent in Bezug auf alles jenseits von Jennifer Rush. Wenn man dort etwas (wie so oft) nicht finden konnte, bestellte man die Platte oder später die CD bei ihnen und musste &mdash heute unvorstellbare — sechs Wochen warten. Dafür riefen sie dich auch zu Hause an, um dir Bescheid zu sagen, wenn die Ware eingetroffen war. Nicht, dass man nicht in der zwischenzeit schon zehnmal da gewesen wäre und nachgefragt hätte.

Einmal wagte es, ein anderer Plattenladen neben dem Giganten aufzumachen. Es war eine Zweigstelle von einem Flensburger Laden namens Cadillac und wurde von zwei unfassbar coolen, immer schwarz und lumpig gekleideten Typen geführt. Die hatten sogar Fields of the Nephilim oder Nitzer Ebb immer auf Lager. Leider liehen sie jedem der Stammgäste Platten aus — “um mal reinzuhören” —, so dass sich ihr halber Bestand schließlich auf Chromdioxyd wiederfand. Meine erste Berührung mit Copy Kills Music. Aber wer waren sie auch, gegen Karstadt bestehen zu wollen.

Später gab es für uns Indies immerhin Malibu, sozuagen ein Otto-Versand samt Katalog für Sisters of Mercy- und The Jesus And Mary Chain-Fans. (Was ist aus ihnen geworden? Google gibt keine Antwort.) Ihre Pakete begleiteten mich, bis ich schließlich nach Flensburg zog, um zu studieren, dort zwar kein Karstadt fand, aber mindestens drei Plattenläden und die Hauptdependence von Cadillac.

Das letzte Mal, das ich in Husum war, zählte ich zwei Plattenläden mehr. Einen annehmbaren in der Innenstadt, zwei Minuten zu Fuß von Karstadt entfernt. Und ein Media Markt-Imitat in der Gewerbehölle am Stadtrand. Karstadts Plattenabteilung führt jetzt auch DVDs und Videospiele, dafür kein Regal mehr mit Independent/Wave. Die beiden Verkäufer sind noch da, sie mit grauen Haaren, er mit veritablem Bauch, beide vermutlich nicht kompetenter. In der Sockenabteilung würden sie nicht weniger, aber auch nicht mehr Einsatz zeigen. Bald müssen sie wohl gehen.

(Dies ist eine schamlose Zweitverwertung aus aktuellem Anlass)

10. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

9. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Als Wahllokale noch Lokale waren

Ich kann mich nicht daran erinnern, aber so muss es gewesen sein.

Um zehn ging man in den Gottesdienst. Evangelisch-lutherisch, mit viel Gesang. Mit dem Schlussgeläut zog die ganze Familie weiter Richtung Strand. Es war Wahltag und das Wahllokal eine Gaststätte mit Blick aufs Meer. Die beliebten Kinder blieben draußen und turnten auf dem Spielplatz herum, die unbeliebten krochen zu Mutti in die Wahlkabine. Danach war Mittagsvorbereitungszeit. Die Muttis nahmen ihre Kinder — ob beliebt oder nicht — und schleppten sie nach Hause. Die Papis ließen sich nicht schleppen, sondern blieben am Tresen stehen und beobachten, wer da sonst noch kam und wählte. Eine von drei Parteien, sonst nichts.

Es muss so gewesen sein, aber ich kann mich nicht erinnern. Noch nicht einmal daran, selbst gewählt zu haben, obwohl es doch ein oder zwei Male gab, als ich alt genug war und bevor ich ging.

Heute sind es keine Lokale mehr, in denen man wählt. Es sind Schulen und manchmal noch nicht einmal das, sondern Container im Innenhof, Provisorien, weil mal wieder umgebaut werden muss. Und einen Tresen gibt es schon gar nicht. Dafür aber einundreißig Parteien.

8. Juni 2009  —  2 Kommentare  —  Link

5. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Aus dem Arbeitsleben einer deutschen Schriftstellerin

Es gibt keine Achtung vor der schriftstellerischen, malerischen, bildhauerischen, tänzerischen oder darstellerischen Lebensleistung einer Frau in diesem Land, dem immerhin eine Bundeskanzlerin vorsteht. In der Bundesrepublik essen, fahren, schlafen, lieben, heiraten alle Menschen AUTOS.

Simenon sagte einmal: “Jeder, der etwas anderes kann außer schreiben, sollte das tun.” Andererseits wollen ja so einige nicht schreiben, sondern nur Schriftsteller sein. Fragt sich angesichts dessen natürlich warum. (Ich würde mir dennoch wünschen, dass es leichter wäre.)

(via Else Buschheuers Gezwtischer)

4. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Es gibt ein Grau auf dieser Seite, das man nur aus einem ganz bestimmten Blickwinkel sieht.

3. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Rezeption, vollständige

Auf Wikipedia steht unter dem Stichwort “Buch”:

Dem Käufer erschließt sich der Nutzen meist erst nach der vollständigen Rezeption

Bislang habe ich Bücher, die mir nicht gefielen, nicht zu Ende gelesen. Manchmal habe ich schon nach zehn Seiten, manchmal erst nach der Hälfte wieder weggelegt. Aber vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht nützen sie mir ja etwas. Und das merke ich ja erst “nach der Vollständigen Rezeption”. Das ist doch mal ein Gedanke.

3. Juni 2009  —  0 Kommentare  —  Link

30. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Webinar

Webinar ist zwar ein blödes Wort, aber eigentlich ja eine ganz gute Idee. Anstatt dass sich die Leute per Flugzeug aufmachen und die Welt mit noch mehr CO2 verpesten, bleiben sie schön in ihren Büros sitzen, klinken sich per Telefon und Computer in die Konferenz ein und folgen dem Vortrag.

Für den Vortragenden ist die Sache dann schon blöder. Man hat ständig das Gelärme des Publikums im Ohr, weil es vergisst, dass man jeden Schnaufer durchs Mikrofon hört. Auch dass man dieses Publikum nicht sieht, macht die Sache nicht einfacher. Man lamentiert in den eigenen Bildschirm hinein und ertappt sich sogar dabei, ausführende Gesten zu machen. Irgendwie ähnelt man dann sehr schnell einem Möchtegern-Dirigenten, der vor seiner Stereo-Anlage stehend ein Essstäbchen zu Beethovens Neunter schwingt.

Man ist allerdings sehr schnell durch. Vielleicht liegt das daran, dass man an keinem Gesicht ablesen kann, wie sehr man langweilt und wie dringend man jetzt mal etwas Peppiges einschieben müsste. Man rast durch seine Präsentation, und wenn es am Ende heißt, “gibt es noch Fragen?”, hört man nur das allgemeine Schnaufen und denkt sich: “Okay, das war’s.”

30. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Ich habe ja durchaus eine Seite mit meinen Profil, mit meinen Referenzen usw., aber sehr, sehr schlicht (und nicht immer aktuell). Sollte ich das nach wie vor so getrennt halten? Oder hier mehr raushängen lassen, dass ich programmiere — für Geld.

29. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Morgenmüdigkeit

Ich wurde vom Arzt gefragt: “Leiden Sie an Morgenmüdigkeit?” Ohne lange nachzudenken sagte ich “Ja”, aber eigentlich ist die Frage doch dämlich, oder? Welcher normale Mensch leidet nicht an Morgenmüdigkeit? Ich kenne keinen, der an einem Arbeitstag sofort hellwach ist und lustig aus dem Bett springt. Die sind alle so wie ich, ziehen noch einmal die Bettdecke über die Ohren und murmeln: “Noch fünf Minuten.”

Eine Fangfrage also. Die Sache war nämlich die: Wäre mein Arzt nicht Arzt geworden, wäre er Informatiker. Hat er mir erzählt (oder er wollte sich bei mir einschleimen, weil ich selbst Informatiker bin? Aber warum sollte er das tun?) Informatiker (auch ich zum Teil!) haben einen Hang, Dinge mit Geräten zu lösen. Er auch. Er sagte: “Ich habe da dieses mobile Schlaflabor.”

Da sieht dann so aus: Man wird rundum verkabelt, bekommt ein koferradiogroßes Gerät umgeschnallt und muss sich nachts noch seltsame Fühler in die Dase stopfen und vor den Mund hängen. Damit legt man sich hin… und kann natürlich nicht schlafen. Irgendwann zwischen zwei und drei bin ich mal kurz eingenickt, aber das war’s dann auch. Und scheißenochmal litt ich am Morgen an Morgenmüdigkeit!

Dem Arzt war es egal. Aus den Aufzeichnungen während meines Sekundenschlafs konnte er anscheinend ablesen, das alles in Ordnung war. Ich bekam ausreichend Sauerstoff, mir stockte nicht der Atem und die Herzfrequenz war auch super. Ich bin anscheinend wirklich nur eine faule Sau, die morgens keine Lust hat aufzustehen. Das hätte ich ihm auch gleich sagen können.

28. Mai 2009  —  4 Kommentare  —  Link

Fútbol

Wenn jemand denkt, in Deutschland sei man fußballverrückt, so soll er mal nach Spanien gehen. In einer durchschnittlichen Nachrichtensendung ist die Hälfte für Fußball reserviert, und das nicht nur am Wochenende. Es gibt gleich mehrere Tageszeitungen, die sich ausschließlich mit Fußball beschäftigen. Hey, es gibt sogar Fernsehsender, die sich ausschließlich mit einem Verein beschäftigen, 24 Stunden lang. Jetzt steht Barça im Champions-League-Finale (heute 20:45 auf Sat1), und das ganze wird ganz schön religiös.

27. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Sunn O))) haben eine neue Platte. Die klingt dann in etwa so wie das hier:

27. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Kaum schreibe ich etwas über Alice Munro, schon gewinnt sie den Booker Price. Herzlichen Glückwunsch, sie hat es verdient.

(via kaltmamsells Gezwitscher)

27. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Alice Munro

Anobella ist ja schuld, dass ich Alice Munro verfallen bin. Ich habe dem, was sie gesagt hat eigentlich nichts hinzuzufügen, außer dass ich mich alle paar Absätze dabei ertappe zu denken, “oh, das ist so genial” und vor Neid erblasse.

In letzter Zeit habe ich mich immer wieder damit gequält, entweder einen Roman zu schreiben oder Geschichten, in denen furchtbar spektakulären Leuten, furchtbar Spektakuläres passiert oder beides. Aber dass muss ja nicht sein. Munro macht’s vor. Ihre Geschichten spielen in der kanadischen Provinz, sie schreibt keine Romane, sondern Erzählungen (keine Kurzgeschichten).

Gut, es ist nichts Alltägliches, was da passiert, schon Dramatisches, aber eben Dramatisches, das alltäglichen Menschen zustößt (oder von ihnen ausgelöst wird). Sie packt mehr in eine solche 20-30-seitige Geschichte wie andere in ganze Romane. Ich bin süchtig. Bis jetzt habe ich Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage gelesen und einen großen Teil von Runaway. Ich freue mich schon auf den Rest!

26. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

26. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link

Auf geht's

Andere Leute sortieren Steuerbelege, um sich vorm Schreiben zu drücken, ich programmiere Blog-Systeme. Ich konnte mein altes nicht mehr sehen und dachte dann: Warum machst du nicht selber eines?

So, hier ist es, auf Basis von Ruby on Rails, falls das jemand was sagt. Es hat einen eigenen Platz für Geschichten, aber dieser Platz ist immer noch ziemlich leer, weil ich mich ja vorm Schreiben gedrückt habe. Und versprechen werde ich hier sowieso nichts mehr.

Also hoffe ich (und hofft vielleicht ihr), dass hier jetzt wieder öfters was steht. Zwischendurch lenke ich mich dann öfters mal wieder damit ab, an der Software hier rumzuspielen. Und, ach ja, wenn ich jemanden auch so eine Software schreiben soll, sagt mir Bescheid mir. Ich mache sowas für Geld.

26. Mai 2009  —  0 Kommentare  —  Link